Casablanca / Mohammedia

Mit Martinus zusammen bin ich die ersten 50km in Richtung Landesinnere gefahren. Eine kleine Abschiedstour, da sich unsere Wege dann trennen sollten, bis wir uns vielleicht bei den Sanddünen von Erg Chebbi wieder treffen werden. Auch er will dorthin und hat eine ähnliche Route wie ich geplant, nur eben genau umgekehrt. Es war faszinierend, wie schnell sich die Landschaft ändert und wie schnell man Abseits der normalen Zivilisation ist. Ich habe die vielen Eindrücke fast schon aufgesaugt und leider vergessen zu fotografieren. „Leider“ bedeutet in diesem Fall, dass ich diese Momente eben nicht teilen werde. Zumindest nicht mit Fotos.

Überall am am Straßenrand – egal wie weit man vom nächsten Dort entfernt ist – sitzen, stehen oder knien Menschen. Warum weiß ich nicht, denn nur einige hüten Nutztiere. Es waren überall vollgepackte Eselgespanne mit irgendwelchen Pflanzen auf den Straßen. Selbst in kleinen Ortschaften war ein absolutes Verkehrschaos. Straßen, die bei uns nicht einmal als Einbahnstraße durchgehen würden, werden dort vierspurig befahren. Doch irgendwie hat das Chaos eine Logik, denn es gab weder Stau noch irgendwelche gefährlichen Momente.

Die westliche Zivilisation ist mittlerweile scheinbar auch in der nordafrikanischen Landwirtschaft angekommen. Fast jeder, der eines dieser Esels/Pferdegespanne gefahren ist, hatte weiße Kopfhörer. Nur Motorräder sind dort extrem selten. Einheimische fahren auf Rollern, im besten Fall habe ich einmal eine 125er gesehen. Dementsprechend groß war auch das Interesse an der Tiger, als ich in die Tankstelle einfuhr und irgendwie der Mittelpunkt für die Menschen um mich herum war.  Angst hatte ich zu keiner Zeit. Man muss die Mentalität dieser Menschen hier nicht verstehen oder mögen. Eine gesunde Vorsicht ist vielleicht auch noch in Ordnung aber die uns eingeimpfte Denkweise, dass alles außerhalb Deutschlands Verbrecher sind teile ich nicht.

Heute habe ich vorgezogen mir auf einem Campingplatz nördlich von Casablanca ein „Bungalow“ zu mieten. Einen Raum also, dessen Licht flackert wie in einem billigen Horrorfilm, ein absolut versifftes Klo hat und ein Bett, auf dem ich ganz sicher mit dem Schlafsack schlafen werde. Ich hatte keine Lust das Zelt aufzubauen und die Zeit genutzt, ein paar Fotos vom Strand zu machen, der genau 20 Meter vor meiner Tür liegt. Der Bungalow kostet ca. 10 € und die Duschen auf dem Campingplatz funktionieren diesmal sogar. Ich habe heute meine Klamotten-Waschtechnik verfeinert und dusche ab sofort wenn sich die Gelegenheit ergibt mit voller Montur. Statt Seife wird erst einmal mit Reisewaschmittel eingerieben und anschließend wird alles über Lenker und Gepäckträger zum Trocknen aufgehängt. Ich hoffe, dass ich morgen früh nicht vergesse die Unterwäsche abzunehmen. Möchte nicht mit zwei Socken an den Griffen in eine Polizeikontrolle kommen oder mit einer wehenden Unterhose am Rücklicht durch Marokko fahren.

Der Tag heute war sehr anstrengend, denn mit dem Umweg, den ich mit Martinus gefahren bin, waren es doch wieder knapp 300km bei ca. 33°. Ich habe wie immer den Fehler gemacht, zu wenig zu trinken und daher kommen vermutlich auch meine Kopfschmerzen und das Gefühl richtig müde und erschöpft zu sein. Nachdem ich dem Marokkaner der ständig hier reinläuft gleich zum vierten Mal erkläre, dass es mein „Bungalow“ und nicht seiner ist (falls er überhaupt einen hat), werde ich noch mein Motorradschloss an die Tür montieren und schlafen gehen. Soviel zur neuen Denkweise.

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