Verdammt schön – verflucht anstrengend

Heute war ein Tag, der es in sich hatte. Erneut eine atemberaubend schöne Landschaft, erneut trockene Wüstenluft und erneut nasse Motorradklamotten am Abend. Aber eines muss man Marokko lassen: Bauen können die! Auf meiner Karte von 2013 sind die Straßen die ich heute gefahren bin noch als Piste (=Wüstenfeldweg) eingezeichnet. Teilweise waren es Straßen, die wir uns in Deutschland wünschen. Nach Ouarzazate ging es in Richtung Tinghir und auf der Hälfte der Strecke war ein Abstecher ab Boumalne Dade in die „Gorges du Dadés“ (ich glaube es heißt Dades-Schlucht) geplant. Eine extreme Serpentinenstraße und ein ca. 30km langer Weg dorthin, der ebenfalls wirklich schön war. Bei irgendwas über 30 Grad und einer verdammt trockenen Luft allerdings auch sehr anstrengend.

Da Sigis Motorrad nicht dafür geeignet war, die Schlucht bis zum Ende zu fahren und die restlichen 45 km Pistenstraße in Richtung Tinghir zu bewältigen, entschied ich mich dazu, mit ihm die Serpentinen wieder nach unten und weiter auf einer asphaltierten Straße quer durch die Wüste in Richtung Tinghir zu fahren. Im nachhinein bin ich froh darüber, denn die letzten 45km in denen es einfach geradeaus geht, man das Ende der Straße nur erahnen oder besser gesagt erhoffen konnte wird man bei dieser Hitze in Motorradkleidung verdammt müde. Man kann auf dem Motorrad nicht das Wasser trinken, das man ausschwitzt, denn bei jedem Stop erschlägt einen die Sonne schlagartig. Ich verstehe jetzt die ganzen Marokkaner, die am Straßenrand unter jedem noch so kleinen Baum liegen der auch nur den Hauch von Schatten bietet.

Bei der ersten Gelegenheit in Thingir schaute ich mir Zimmer an und mitterlweile reicht es mir als Qualitätsmerkmal aus, wenn die Toilette weiß ist (mir sind sogar Stehklos mittlerweile egal) und beim öffnen des Wasserhahns keine rote, braune oder grüne Flüssigkeit herauskommt. Geplant hatte ich zu campen – alles war mir aber lieber als jetzt noch ein Zelt aufzubauen, denn morgen ist für mich ein ganz besonderer Tag, für den ich mir sehr viel vorgenommen habe. Nachdem es keine Möglichkeit gab, die Motorräder sicher zu parken (und darauf sollte man nach Sigis geklauter Schmutzwäsche und meinen „unauffindbaren“ Handschuhen in Marokko wirklich achten), fuhren wir weiter und haben uns in einer Baustelle einquartiert. Es soll vermutlich mal ein Hotel werden aber trotzdem ist das hier ein wirklich toller Ort. Eine sehr (ehrlich) herzliche Familie die hier etwas aufbauen will und dabei spürbar mit viel Engagement bei der Sache ist. Es ist mir egal, dass meine Tür kein Schloss hat und die kalte Dusche ist Luxus genug. Gebaut ist das ganze aus Lehm und auch wenn es noch eine echte Baustelle ist und das eigene „Restaurant“ mehr ein marokkanisches Wohnzimmer (mit vier Katzen die lautstark das Essen begleiten), fühle ich mich hier einfach wohl. Ich habe für mich wieder erkannt, dass Luxus nichts mit Geld, Marmorwaschbecken und sonstigem Geschiss zu tun hat, sondern tatsächlich etwas mit sauberem Wasser und dem Gefühl sicher schlafen zu können. Eine schöne Erkenntnis, mit der ich jetzt schlafen gehe und mich morgen auf die schwerste Etappe dieser Reise mache.

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