5cm sind scheiße viel!

Auf der Karte hat es bei der Planung eigentlich ganz locker ausgesehen. Von Valls nach Loca waren es knapp 5cm. Schöner Sonntagsausflug. Nach knapp 600 km habe ich mich dazu entschlossen, heute einmal die Maßstäbe der Karten zu prüfen, die ich mitgenommen habe.

Die Landschaft war grandios. So in etwa stelle ich mir amerikanische Highways vor. Der Maut sei dank, hatte ich zeitweise die Autobahn für mich, konnte mich an mein Gepäck zurücklehnen und einfach mal die Gegend genießen. Mein zweitgrößtes Problem heute ist die Gewissheit, dass ich wohl nie in den USA Motorrad fahren werde, denn ich glaube dort wird mich alles an Spanien erinnern und da war ich jetzt ja schon. Das größte Problem war entweder der Wind oder mein Kopf. Ich bin mir noch nicht ganz sicher. Nach der „Rue de Horrer“ in Südfrankreich kann ich noch immer nicht ganz abschalten, wenn mich ein Windstoß erfasst. Zumindest heute Abend habe ich es mir aber nicht eingebildet. Die spanischen Flaggen zerreißen fast und die Windsäcke an den Autobahnen waren prall gefüllt. Ich habe auch gerade den Eindruck, dass das Dach der Hotelterasse bald Geschichte ist.

Stichwort Hotel: Irgendwie muss ich den Begriff Abenteuerurlaub vorerst streichen. Ich habe eine Netzwerkdose neben dem Klo, mein T-Shirt und meine Socken heute (wieder) in einem Marmorwaschbecken gewaschen und das Zimmer ist gefühlte 50qm groß. Der weibliche Portier (Portieusse? Keine Ahnung, Peter wirds kommentieren) spricht fliesend englisch – in Spanien eine Ausnahmen, in Frankreich unmöglich – und hat sich gleich bei mir entschuldigt, dass ich nur noch das große Zimmer mit vier Betten haben kann. Vor dem Hotel war ich einmal mehr die Attraktion, als ich meine Tiger wie jeden Tag vom Reisegepäck erlöst habe. Eine französische Rentertruppe die vor mir mit dem Reisebus ankam beobachtete mich nicht kommentarlos und zwei typisch spanische Cowboys (Goldkette, Armkettchen, Sonnenbrille, Hemd offen – sicherlich Brusthaartoupé) unterhielten sich angeregt über Motorräder. Zumindest wiederholte der eine immer „Harley Davidson“ und der andere „no, no, no“.

Heute habe ich auch zum ersten Mal einen deutschen getroffen, der mich auf einer Autobahnraststätte angesprochen hat. „Du bist aber nicht mit dem Motorrad von Deutschland hierher gefahren?“ Ich war zu gut gelaunt um ihm zu erklären, dass wir zu Fuß unterwegs sind und das deutsche Kennzeichen nur Deko ist. Nach ein paar Minuten hat er mir erklärt, dass er das nie machen würde, weil man das doch nicht macht und Marokko überhaupt viel zu weit weg ist. Das ich schon knapp 2.000 km hinter mir habe und nur noch 500 bis Marokko wollte ich ihm dann auch nicht erklären. Ein netter Typ und nach den ganzen Gesprächen mit mehr Händen und Füßen als Mund, hat es mal gut getan, von jemandem verstanden zu werden.

Morgen die letzten „Vielkilometerstrecke“, dann ab auf die Fähre und max. 150 – 200km am Tag. Oder 20 – 30. Mal sehen.

Nachtrag: Die Welt ist verdammt klein. Ich habe gerade einen Mann kennengelernt, der in Spanien Nelken produziert, nach Columbien verschifft, dort vermehren lässt um sie anschließend nach Holland zu liefern. Von Holland aus kommen die Blumen dann nach Deutschland. Der Mann stammt aus Würzburg und ist der Neffe einer meiner ehemaligen Englischlehrerinne in der Realschule Marktheidenfeld. Ich weiß jetzt aber auch nicht mehr, was umwelttechnisch besser ist: Mit dem Motorrad nach Afrika zu fahren oder daheim eine Blume auf ein Grab zu stellen. Werde ihn morgen beim Frühstück fragen, ob es wenigstens Bioblumen sind.

6 Comments
  • Geerke
    April 6, 2014

    Tolle Landschaft – bin neidisch! Wie wäre es mal mit eine paar Bildern mit Fahrer. Falls deine Kamera über den Luxus eines Selbstauslösers verfügt. Kann ja jeder Behaupten er wäre kurz vor Marokko.

  • Dominic
    April 6, 2014

    Ich merke gerade, dass mich auf dieser Tour meine Militärzeit gewaltig einholt. Die Landschaft heute sah aus wie auf der Tour von Skopje nach Prizren, mein alter OLt (sorry Andy, Du bist wirklich alt!) liest mit und Du machst mir tatsächlich Angst wegen fehlender Marschbefehle, Fahraufträgen und ungehorsam. Diszi hab ich sicherlich verdient. Förmliche Anerkennung kann ich mir wohl jetzt in die Haare schmieren.

  • Saskia&Christian
    April 6, 2014

    Das Dir das passieren muß mit dem Maßstab naja Du hast ja auch noch nie damit zu tun gehabt. :-)
    Ach erinnere mich daran wenn Du wieder da bist zwecks Diszi.
    DU HAST DICH NICHT ABGEMELDET !! Vom Fahrauftrag will ich erst gar nicht anfangen 😉

  • Saskia&Christian
    April 6, 2014

    Denke daran ein Soldat ohne Diszi ist wie ein Cowboy ohne Whisky . Aber ich denke es gilt “ Welcome of the Wilde Side of Life „

    • Dominic
      April 6, 2014

      Dann bin ich mal froh, dass ich schon eins habe. Hoffe es ist diesmal mit einem gestrichenen Urlaubstag und ein paar Bier getan.

  • Janna
    April 7, 2014

    Hab ich dir nicht gesagt, dass du überall auf Deutsche treffen wirst?! :-)
    Glaub mir … das geht auch noch so weiter. 😉

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